Knappenmusik Bad Gastein
Sponsor Gasteiner Heilstollen
Sponsor Hotel Mozart Bad Gastein
Pension Gabriele
Transporte Spießberger
102424 Besucher

Heiteres

Erinnerungen

von Josef Frohnwieser - als Knappe am Rathausberg

Begründer des Arbeitermusikverein der Gewerkschaft Rathausberg!

Nach der Fertigstellung der Mittenwaldbahn, bei deren Bau ich zwei Jahre mitgearbeitet hatte, trat ich im Jahre 1912 bei der Gewerkschaft Radhausberg als Bergmann meine Arbeit an. Damals musste noch jeder frisch aufgenommene Arbeiter die Stufenleiter des Bergmannsberufes von unten an durchlaufen und zwar begann man als Hilfsarbeiter, wurde dann Förderer, Lehrhauer, Hauer, Vorhauer und endlich Drittelführer. Im allgemeinen waren zwei Jahre Praxis zur Beförderung vorgeschrieben.  Der Lehrhauer musste sogar ein Lehrgeld bezahlen und es war kein kleiner Betrag, den sein Vorhauer einsteckte. Mein Arbeitsbeginn am Radhausberg fiel in die Zeit, als Oberbergrat Dr. Ing. Karl Imhof die zweite Gewerkschaft Radhausberg ins Leben gerufen hatte und unter seiner Leitung den Goldbergbau mit viel Tatkraft und Schaffenskraft vorwärts trieb. Viele Neuerungen technischer und sozialer Art wurden eingeführt, so dass ich Gelegenheit hatte, den alten Betrieb teils aus eigener Anschauung, teils durch Erzählung älterer Bergknappen noch zu erleben, gleichzeitig aber die Neueinführungen Imhofs zu sehen. Diese Neuerungen, insbesondere die moderne Technisierung und Automatisierung des Bergbaubetriebes war außerordentlich kostspielig, wenn man sie mit der billigen aber primitiven Arbeitsweise vergleicht, wie sie bisher am Radhausberg mit Schlegel und Eisen betrieben wurde. Auch war es für die junge, zweite Gewerkschaft Imhofs notwendig, in ausgedehnten Gebieten Freischürfe zu belegen. So wurde am Radhausberg, in der Sieglitz, am Pochkar, auf der Erzwiese, am Alteck, am Hohen Goldberg, in der Zirknitz und am Sonnblick Schürfe getätigt.

Ich begann als Hilfsarbeiter und wurde bei den Vermessungsarbeiten, der an Stelle der 1856 verfallenen alten Aufzugsmaschine neugeplanten Seilbahn verwendet. Durch den frühen Schneefall wurden die Arbeiten eingestellt und ich kam so als Förderer in die Grube am Radhausberg. Die Seilbahn wurde nie verwirklicht, da der Bergbau 1913 zur Gänze ins Naßfeld verlegt worden war.

Die Knappenarbeit sagte mir sehr zu, da meine Arbeit beim Bahnbau als Mineur oft stark in das bergmännische Fach einschlug; wenn auch mein alter Hutmann  Gfrerer abfällig zu mir sagte:“ Mineure brauchen wir keine, wir brauchen Bergleute „ so kam ich schon nach einer sechsmonatigen Probezeit als Lehrhauer in Verwendung. Damals waren zwei Stollen in Betrieb und zwar der Hieronymus – Stollen und der Wanschler – Stollen, die mittels Schneekragen mit dem Hieronymushaus in Verbindung standen. Diese Schneekragen waren in Stein gebaute, mit Holzbalken gedeckte Laufgräben, welche auch bei tiefem Schnee und Lawinengängen den Zugang zum Stollen und Unterkunftshaus sicher gewährleisteten.  Ein weiterer Schneekragen ging vom Ende des Knappensteiges, der von Böckstein an die obere Waldgrenze führte, bis zum Hieronymushaus. Die Bergleute durften bei Schnee niemals außerhalb der Schneekragen gehen.

Die Schichtzeiten waren von 6 – 14 Uhr und von 14 – 22 Uhr sowie von 22 – 6 Uhr. Samstag wurde die Schicht um 22 Uhr noch angefahren, die erst Sonntag um 6 Uhr endete. Nach der Ausfahrt wurden die Knappen erst der Lohn bezahlt. Die Schichten wechselten in wöchentlichen Turnussen. Früher wurde vor der Anfahrt der Schicht gemeinsam gebetet und ebenso bei Ankunft an Ort. Dieser Brauch geriet jedoch nach Technisierung des Betriebes bald in Vergessenheit.

Vor Schichtbeginn ging auf ein Glockenzeichen hin die Belegschaft vom Hieronymushaus in den Stollen, an dessen Eingang die Namensverlesung erfolgte. Dann begann die Einfahrt, was man bergmännisch auch dann als Einfahrt bezeichnet, wenn man nicht fährt, sondern geht. Im Stollen begegnete man gewöhnlich die abzulösende Belegschaft auf deren Rückweg (Ausfahrt). Man arbeitete dann die ganze Schichtzeit an Ort. Zum Schluss der Arbeitszeit wurden die Sprengungen durchgeführt und dann der Arbeitsplatz verlassen. Während der Zeit des Schichtwechsels hatten die Gase genügend Zeit, aus dem Stollen zu entweichen, so das die neue Schicht schon wieder frische Luft im Stollen vorfand. Zur Zeit der zweiten Gewerkschaft wurden am Radhausberg lediglich Aufschlussarbeiten getätigt. Wurde Erz angefahren, dann wurde es durch die Förderer auf Vorrat gelegt, während das taube Gestein auf Halde kam. Aufbereitet wurde das Erz am Radhausberg nicht. Die Pochhämmer waren nicht mehr in Betrieb. Weder der Hieronymus – Stollen, noch der Wanschler – Stollen waren bis zum Naßfeld verdurchschlagt.  Man konnte aber im Inneren der Stollen durch Aufbrüche hochsteigen und kam dann in alte, aufgeschlossene Stollen, die bis in das Weißenbachtal führten.

Der ganze Bedarf des Bergbaues wurde im Sommer mit Pferdewagen auf dem gut erhaltenen Fahrweg von der Asten (ehem. Gasthof Alraune vor den beiden Astenalmen) zum Hieronymushaus hinaufgefahren. Schwere Maschinen bedurften öfters eines Vorspannes von 16 Pferden. Während des Winters musste alles von den Knappen getragen werden. So war insbesondere der Transport der 25-30 kg schweren Dynamitkisten beschwerlich, da die an und für sich schon niedrigen Schneekrägen oft teilweise verweht waren und man daher die Kisten nicht tragen konnte, sondern diese vor sich herschieben oder hinter sich nachziehen musste.

Unser Standort war das Hieronymus-Berghaus am Radhausberg. Damals lebten noch aus früheren Bergmannsüberlieferungen manch alte Sitten und Gebräuche, die jedoch durch die im Jahre 1913 erfolgte Stilllegung der Grube am Radhausberg in Vergessenheit gerieten, weshalb ich hier noch einmal erzählen möchte.

Im Berghause stand ein großer Herd, der fast den ganzen Tag über brannte und nur wenige Stunden auskühlen konnte, denn jeder Bergmann kochte für sich selbst. Schon morgens um 3 Uhr früh wurde der Herd vom Grubenhüter (Hausmeister) angezündet. Bald kamen die älteren Bergleute, die ihr Frühstück kochten. Wir jüngeren schliefen möglichst lange, so dass wir nur mehr wenig Zeit zum Frühstücken hatten. Am Morgen kochten wir uns gewöhnlich unser Mus (Müasei), das wir mit Kaffee aßen. Nach der Schicht, die schon damals mit acht Stunden beschränkt war, bereiteten wir uns eine anständige Mahlzeit, wobei Knödel fast täglich auf der Tagesordnung waren, die wir mit Kraut und Erdäpfelsalat als Nebenspeise aßen. Im Winter haben wir auch viel Fleisch gekocht, wobei Gulasch und Braten besonders bevorzugt waren. Das Fleisch war damals billig und zur kalten Jahreszeit bestellten wir uns dasselbe aus Dimova in Westgalizien. Es kam in handgefertigten Körbchen, mit 5 kg Inhalt, auf ca. sechs Kronen, einschließlich Porto. Mit einem solchen Körbchen Fleisch musste man zu zweit vierzehn Tage auskommen. Familienväter hielten sich im Sommer Ziegen. Im Herbst wurden die älteren Tiere geschlachtet und zum Teil geselcht, während das restliche Fleisch in einem Kübel mit verschiedenen Zutaten, wie Knoblauch, Pfeffer und Salz eingebeizt wurde, so das sie auch in der kälteren Jahreszeit Fleischspeisen essen konnten.

Im Hieronymus Berghaus waren zur Bequemlichkeit der Knappen manche Einrichtungen geschaffen worden. So war eine große Selchanlage vorhanden, in welcher sich die Knappen das Fleisch räuchern konnten. Ferneres war ein großer Stall für die Ziegen im Sommer vorhanden. Die Knappen hielten sich einen eigenen Ziegenhüter, der die Aufgabe hatte, die Ziegen zu hüten und zu melken. Jeder Ziegenbesitzen hatten seinen eigenen Topf für die Milch, die in seinem Koststock stand. Koststock nannte man den Küchen- oder Vorratskasten. Den Bergleuten war es auf diese Weise leicht möglich, sich diese Milchtiere nach Belieben zu halten.

Abgang war Samstag und am Montag Aufgang. Die Knappen wohnten durchwegs in Böckstein und hatten daher nur am Wochenende die Möglichkeit, ihre Familien zu sehen. Während des Abganges verblieb die Milch dem Ziegenhüter, der dadurch eine kleine Milchwirtschaft betrieb, auch Butter und Käse herstellte. Es gab aber auch solche Knappen, die wohl auf den Abgang, jedoch nicht auf die Milch verzichteten. Diese lösten öfters, wenn notwendig, den Ziegenhüter ab.

Als ich auf den Radhausberg kam, war gerade, wie schon eingangs erwähnt, durch Oberbergrat Dr. Karl Imhof ein neuzeitlicher Umbruch im Gange. Das Hieronymushaus wurde umgebaut, die alten Liegestellen abgetragen und daraus ein großes Schlafgemach mit Doppelbetten errichtet. Die alten Liegestätten waren schrecklich. Die Decke war so groß, das vierzehn Knappen unter einer Decke lagen. Diese große, schwere Decke war mit allerlei Flecken ausgeflickt. Die Pritschen befanden sich auf dem Boden. Nur einmal jährlich wurde der Schlafraum gründlich aufgeräumt, die übrige Zeit blieb er so, wie er eben war. Die Bergleute legten sich mitsamt ihrem Gewand in dieses Nest. Auch waren die Waschgelegenheiten sehr mangelhaft.

Wie gesagt, ich erlebte diese Zustände nicht mehr, denn ich fand schon einen neuen Herd mit 24 Kochstellen vor. Schlegel und Eisen waren in der Grube schon durch moderne Flottmann Bohrhämmer abgelöst und eine moderne Wetteranlage in den Stollen eingebaut worden. Der Strom für das Maschinenhaus im Hieronymus – Stollen wurde dem Naßfelder Werk entnommen und zwar wurde aus dem Naßfeld in den Weißenbach eine Freileitung gelegt und von dort der Strom mittels Kabel durch den alten Stollen des Radhausberges bis in den Maschinenraum geleitet. Leider wurden diese modernen Anlagen nicht lange benützt, da der Radhausbergbau eingestellt wurde, als im April 1913 im Imhof-Unterbau im Naßfeld das erste Erz angefahren worden war.

Später will ich einmal von diesem Bergbau erzählen. Heute möchte ich aber jenes Tages gedenken, der für Knappen und Almleute immer den Höhepunkt des Jahres darstellte. Es war der Tag, an dem im Hieronymushaus das große Reinemachen stattfand.

Für das Fest dieser gründlichen Reinigung im Hieronymus Berghaus wurde im Herbst ein Tag festgesetzt. Dieser Tag war für Knappen, Betriebsführung und insbesondere für die Almen ein Fest- und Freudentag. Nachdem alle Knappen zusammengeholfen hatten, das ganze Haus, die Küche und Schlafräume blitzsauber zu fegen und zu waschen, wurde für das abendliche Fest gerüstet. Die Senner und Sennerinnen kamen vom Höhkar, von der Haitzingalm und vom Naßfeld auf das Hieronymushaus hinauf, denn das Fest der Knappen war bekannt, da es immer hoch her ging. Eine Kapelle, bestehend aus Ziehharmonika, Flügelhorn, Okarina und Dudelsack sorgte für Musik und es wurde bis zum grauenden Morgen fröhlich getanzt. Der Grubenhüter spielte die Rolle des Wirtes und die Knappen sorgten für Essen und Trinken. Während die Musik rastete wurde fleißig gesungen und hier war es vor allem das bekannte Bergmannslied, das immer wieder gesungen wurde, wo Bergleute beisammen waren.

 

1;         Der Bergmann im schwarzen Gewande so einfach und schlicht
         Trägt Gold aus der Grube, man achtet ihn nicht,
         holt Schätz aus der Erde von Silber und Gold
            Für sich hat er kaum wohl das tägliche Brot.
            Wo nähmst Du, oh Welt, Deine Schätze wohl her
            Wenn tief in der Grube der Bergmann nicht wär? 
 
2;         Der Bergmann gräbt Gold aus der Grube heraus,
         der Goldschmied, der macht eine Krone daraus.
         Die Krone, die schimmert von Purpur und Glanz,
         auf den Bergmann, den armen, vergessen sie ganz.
         Wo nähmst Du, oh König, die Krone wohl her,
         Wenn tief in der Grube der Bergmann nicht wär?
  
3;         Das Ringlein am Finger, der Braut steht es gut,
         das Herz voll Rubinen so rot wie das Blut.
         Das Ringlein am Finger verbindet die Kraft,
         wer holt wohl das Gold und Rubin aus dem Schacht?
         Wo nähmst Du, oh Mägdlein, den Brautring wohl her,
         wenn tief in der Grube der Bergmann nicht wär?
 
4;         Drum ehret und achtet der Bergleute Stand!
         Der Bergmann sei stets mit Achtung genannt.
         Und schließt ihm der Tod die Augen einst zu,
         dann nimmt ihn das Grab auf zur ewigen Ruh`.
         Der Herrgott spricht: „Bergmann fahr aufwärts mein Sohn
         Und nimm für das Graben den Himmel zum Lohn.“
 
                        Glückauf!         Glückauf! 

Bei Tagesanbruch löste sich die Unterhaltung auf. Die Almleute eilten den Sennhütten zu, die oft mehr als zwei Stunden entfernt lagen und die Knappen begannen von Neuem ihr hartes Tagewerk. Für Almleute und Knappen war mit dem Sommer wieder ein Jahr harter Arbeit verflossen und bald hielt der Bergwinter mit all seinen Erschwernissen Einkehr in den hochgelegenen Bergbaubetrieben, die heute alle in unserer Gegend der Vergangenheit angehören und nur mehr in der Erinnerung weniger alten Knappen weiterleben. Um sie vor gänzlicher Vergessenheit zu bewahren, habe ich diese Zeilen niedergeschrieben.

 (Gasteiner Badeblatt) 

 

Erinnerungen von Wolfgang Reinhardt

 

 Johann Reinhardt (1935 – 1952) 

Mein Vater  Hans Reinhardt, war ab 1935 Kapellmeister bei der Knappenmusik, unterrichtete auch die Jugend, die in „Natura“ den Unterricht bezahlten. Jedes Jahr vor Weihnachten kamen die Bauernbuben mit dem Rucksack voll Speck, Butter, Käse und Eiern – Das war jedesmal ein Festtag.

Kapellmeister Reinhardt wurde 1941 in die Wehrmacht eingezogen. In Norwegen bei der Küstenartillerie schob das Landsturm Bataillon eine ruhige Kugel. Reinhardt gründete eine Musikkapelle. Da es keine Noten gab, schrieb Reinhardt alles selbst. Es gab auch kein Notenpapier. Es war daher bei allen Soldaten eine tolle Sache, wenn sie vom Exerzierdienst befreit wurden um in der Schreibstube auf Briefpapier Notenlinien anzufertigen. Die Sonntäglichen Konzerte waren bei den Soldaten und bei den Norwegern äußerst beliebt.

Nachdem die ganze Batterie keinen einzigen Schuss auf den Feind abgegeben hatte war der Krieg zu Ende. Das ganze Bataillon ging in Gefangenschaft. Nach Ende des Krieges kam Reinhardt wieder nach Hause und nahm mit den Proben bei der Knappenmusik den Spielbetrieb wieder auf.

Wie gut die Musikkapelle nach dem Krieg in Form war zeigte die Tatsache, dass die Musikkapelle 1949 mit dem Bus zum Rosenmontagszug nach Köln fuhr. Die Mitwirkung erfolgte auf Grund einer Einladung der bekannten Karnevalspräsidenten Lissem und Leisten. Wieder war es ein Marsch von 5-6 Stunden und derjenige, der fast nicht zum Blasen kam war Wolferl, der war nämlich nur damit beschäftigt ununterbrochen Bonbons von der Straße aufzulesen! Noch Wochen danach lebte er von dem angesammelten Vorrat.

Zuhause bei den Reinhardts wurde immer Musik gemacht. So wurde viele Stücke für kleine Gruppen geschrieben (Vom Vater Reinhardt und vom Sohn Wolfgang)

   

Wolfgang Reinhardt (1938 – 1952)

Sohn Wolfgang wurde auch ausgebildet. Jede Woche einmal sah man Wolferl zur Felsenburg wandern mit seiner ES-Klarinette zum Musikkameraden Paul Fillafer. Die Mitwirkung beim Oktoberfest 1938 und insbesondere der 6-stündige Marsch beim Festzug war für die Musiker ein unvergessliches Erlebnis. Der 10jährige Wolferl durfte auch mit – als Taferlträger“ neben seiner Partnerin Schober Ilse. Für die beiden wurde extra eine Uniform bzw. eine Gasteiner Tracht angefertigt.

Das Stück „Salzburger Polka“ hieß früher „A pfiffiger Bua“ Das Stück stammt noch aus der Zeit als ich innerhalb der Knappenmusik die Jugendgruppe „Zipfelhauser“ leitete, Wir waren 9 Buben und hatten eine Menge Auftritte (Hochzeiten, Dorffeste,… ) und es war immer eine lustige Sache! Vergesse nie den „Pfiff“ vom Fikar Ernst, der war da sehr stolz darauf.

Ein spezielles Stück „Staccato espanol“ wurde von Wolferl extra für Allneider David geschrieben. Es gab immer öfters die Anfrage, ob die Bereitschaft da wäre, irgendwo öffentlich zu spielen.   Als dann auf einmal der Termin für eine Hochzeit feststand und gutes Geld geboten wurde da machte es im Hirn von Wolferl klick. Sofort begannen emsige Proben, neue Stücke mussten geschrieben werden und im nu war ein Heft mit 15-20 Stücke fertig. Ein Name für die Kapelle musste gefunden werden, Paul Fillafer jun. kam auf den sinnigen Namen: „Die Zipfelhauser“ – als Uniform musste jeder eine schwarze Zipfelhaube tragen. Neue Jungmusiker mussten geworben werden – der Pippenbach Fred als 2.Es-Trompete, Fikar Ernst mit der Posaune und der Fritzenwallner Pepi mit dem Bass, neben dem Allneider David kam als 2.Flügelhorn der Glawitsch Franz dazu, Reinhardt Manfred schnappte sich das Tenorhorn. 

Bei den Veranstaltungen merkte niemand wenn wir unsere Stücke 8-12-15 mal spielten – wir hatten ja nur 15 Stück. Unvergessen die 3-tägige Hochzeit beim Klammwirt in Klammstein. Oder die Tanzveranstaltung beim Schweizerhof in Bad Hofgastein in eigener Regie! Die Gage für die Musiker mit dem Teller einzusammeln gehörte zum festen Ritual. Leider war das mit einem Problem verbunden: Die Veranstaltung ging so lange bis spät in die Nacht, das keine Fahrgelegenheit mehr möglich war um nach Böckstein zu kommen. So übernachteten wir im Heustadl. Das klappte ganz gut, bis auf das einemal als der Allneider David sein Mundstück verlor und wir alle stundenlang im Heu danach suchten. Aber wir haben das Mundstück gefunden.

 

Bezirksmusikfest in St. Wolfgang – selbstverständlich fuhr die ganze Musikkapelle im offenen LKW, die Gemeinde Badgastein hatte immer schon ein Auto dafür mit einigen Holzbänken hergerichtet. Der Fahrer scherte sich nicht um die Musiker hinten drauf und flog bei fast jeder Kurve alles durcheinander. Der Schwaiger Peter konnte seinen F-Helikon gerade noch festhalten jedoch der Kilzer Otto mit seinem B-Bass hatte keine Chance und so wurde das Instrument dermaßen verbeult, das es einem Bass nicht mehr ähnlich sah! Und trotzdem spielte er beim Musikfest mit - sogar fehlerfrei.

 

Der Jakober Balthasar spielte  Zugposaune und er war sehr stolz darauf da er alleine war und somit ein Privilegierter war. Beim Blasen war er nicht so besonders, ihm flatterten immer so merkwürdig die Backen. Bei einer Probe spielte er einmal immer den falschen Ton, immer wieder und das eine halbe Stunden lang, bis dem Kapellmeister die Geduld riss und er ihm den richtigen Ton mehrmals zurief: GE! GE! GE! Da stand der gute Balthasar auf und sagte:“ Dann geh ich halt!“ Und schon war er bei der Tür draußen! Er war so beleidigt das es dem Obmann Steinbachen sehr viel Überredungskunst kostete damit er wieder zu den Proben kam.

Unvergessen waren auch die jeweiligen St. Barbara-Feiern am 04.Dezember jedes Jahres. Meistens in den Böcksteiner Gasthäusern Gasthof Blüml, Hotel Rader, Hotel Tauernbahn oder Gasthaus Radhausberg im 1.Stock.

Einmal hatte der Obmann Steinbacher die Schnapsidee, die Knappenmusiker als Damenkapelle auftreten zu lassen! Kapellmeister Reinhardt hatte auch eine Gruppe Musiker als Salonorchester zusammengestellt. Nun es sollte eine besondere Attraktion werden. Als wir dem Deutsch Sepp im schneidigen Dirndlkleid sahen konnten wir uns vor lachen kaum beruhigen. Der einzige in Männerkleidung war der Kapellmeister – im schwarzen Frack, mit einer riesigen Fliege. Die Leute schwärmten noch lange danach von den vielen hübschen Damen in der Kapelle!

Im Sommer gab es unzählige Platzkonzerte beim Cafe Sonnblick - der Wirt Herr Summer war ein großer Gönner der Knappenmusik und so wanderte so manch großer Geldschein in die Musikkasse. Wenn man bedenkt, wie voll von Leuten es da immer war, drinnen und draußen. Im Gastgarten saßen hunderte Leute und genau so war es auch beim Hotel Tauernbahn  im Gastgarten. Viele Konzerte fanden auch in Bad Gastein beim Gasthof Nußdorfer statt. Vor dem Umbau war dort ein Gastgarten. Der Wirt spendierte immer ein Faß Bier das die Musiker immer selber anzapften - besondere Experten darin waren der Renzl Ludwig und der Gruber Anderl.

 

Barbarafeier im Naßfeld - Ende der 40er Jahre

Zweifellos am schönsten waren die Barbara-Feiern im Naßfeld. Da stand noch die große Kantine für die Bergknappen wo hunderte Leute Platz fanden !

Ein besonderes Erlebnis war die Schlittenfahrt im tiefsten Winter bei klirrender Kälte nach der alten Straße hinein ins Naßfeld. Es waren die selben Pferdeschlitten, womit das Erz vom Naßfeld bis ins Anlauftal gefahren wurden um dort auf die Bahn verladen zu werden. Wenn man bedenkt, wieviele Pferdeschlitten nötig waren um die ganze Knappenmusik mit den Instrumenten zu befördern - zu der Zeit  war die Kapelle 50 Mann stark. Dazu kam noch der Trachtenverein d´Hüttenkogla und eine Menge Leute als Gäste und die Angehörigen der Musiker. In der Kantine wurden lustige Theaterstücke aufgeführt - Einakter - und als Höhepunkt der traditionelle Knappentanz.                Für die jungen Musiker war das immer ein spannender Augenblick wenn am Ende des Tanzes auf der Bühne das Licht ausging. Nur eine schwache blaue Beleuchtung gab es noch als der Sprengmeister rief:" Brennt schon!". Die Knappen versteckten sich hinter imitierte Steinbrocken und dann explodierte die Ladung.  Die Leute - vor allem die weiblichen - schrien auf und die halbe Kantine war voll mit Pulverdampf. Obwohl alle noch wegen dem Pulverdampf husteten waren die Dirndln schon wieder auf der Bühne, der unvergessliche Kandorfer Michi mit seiner diatonischen Knopfharmonika spielte einen flotten Walzer und so ging der Knappentanz zu Ende. Es wurde auch fleißig dem Alkohol zugesprochen und so erging es einmal auch dem Pippenbach Fred. Wir Jungen waren immer zu Streichen aufgelegt und so nahmen wir den vollbetrunkenen halb bewußtlosen Fred, der halb auf seinem Sessel hing, links und rechts unterm Arm, schleppten ihn hinaus und platzierten ihn auf einen dort herumstehenden Transportrollwagen. Danach schoben wir den Wagen mehrere hundert Meter in den Imhof Stollen hinein und ließen ihn auf dem Wagen in völliger Dunkelheit stehen. Wie der arme Fred - nachdem er seinen Rausch ausgeschlaffen hatte - da wieder rausgekommen war das weiß bis heute keiner. Jedenfalls war er in der nächsten Musikprobe mit seiner Es-Trompete wieder da.

 

Begräbnis in Badbruck

Zu den schlimmsten Erlebnissen gehörten zweifellos die Auftritte der Knappenmusik bei den Beerdigungen in Bad Bruck. Bei grimmiger Kälte - manchmal bei -15° bis -20° - zog man mit Trauermärschen den Friedhof hinaus, jeder Klarinettist weiß, wie einem da die Finger frieren! Und so nach und nach froren die Blasmusikinstrumente ein, der Trauermarsch wurde immer trauriger und am Ende hörte man nur noch die große Trommel vom Grießenböck Hans und den Bass vom Kilzer Otto. Aber auch das ging vorüber, wie freuten sich alle auf das warme Wirtshaus, da gab es meistens den selbstgemachten, berüchtigten Bierkäse. Der stank fürchterlich, noch dazu war er voll mit Würmer. Wolferl saß neben dem Grutschnigg - der spielte damals Baßflügelhorn - und als der gute Mann gerade im Begriff war von dem Käsebrot abzubeißen sah Wolferl mit eigenen Augen wie sich die Würmer dort bewegten. Er schrie laut auf "Nicht abbeißen! Es sind Würmer drauf!" Der Grutschnigg lachte nur, schob den Bissen in den Mund und meinte danach:"Man weiß nie wovon man satt wird !!" 

 

Rupert Mayr -  Birglbauer senior

(St. Veit - war ein Freund der Knappenmusik)

Das 50 jährige Musikfest in Goldegg vom 15.August 1948 war eines der ersten Musikfeste nach dem Krieg. Diese Festlichkeit war so beeindruckt von der Anteilnahme der Musiker die anwesend waren und den vielen Festteilnehmer. Daher war es mir in besonderer Erinnerung. Es haben ca. 10 Kapellen daran teilgenommen. Alle wurden einzeln von der Goldegger Musik beim Steinernen Kreuz empfangen und marschierend bis zum Dorfplatz hineingespielt. Die meisten Musikkapellen kamen mit dem LKW – Busse standen damals noch nicht zur Verfügung. Im Laufe des Vormittags waren alle Kapellen am Dorfplatz erschienen um die Feldmesse zu feiern. Zum Abschluss erfolgte noch ein Gesamtspiel in der Nähe vom Goldegger See. Im Laufe des Tages hat man schon durchgeblickt welche Kapellen gut spielten, aber bereits am Vormittag beim Einmarsch waren die Böcksteiner mit ihren Knappenuniformen und ihrem klingenden Spiel mit dem Marsch „Der kleine Korporal“ besonders aufgefallen und noch dazu war in der ersten Reihe eine Zugposaune (Jakober Balthasar) im Einsatz das bei keiner anderen Musikkapelle der Fall. Bei weiteren Musikfesten in St.Veit und Großarl hatten die Böcksteiner immer große Anerkennung gefunden.

 

Marianne Riepler - Erinnerungen einer Marketenderin 

Am 5. August 1952 waren wir in Bad Hofgastein wo der damalige Bundeskanzler Leopold Figl von uns einen Schnaps bekam und wir dann ins Hotel geladen wurden, wo seine Frau uns zu Torte und Kaffee einlud. Für uns 2 Mädels (mit Olga Steinbacher-Lafnitzegger) ein besonderer Leckerbissen, da es für uns sowas noch nicht gab..

Einmal hatten wir in Rauris ein Konzert und ein Weinhändler aus Schwarzach, ein Freund der Blasmusik, begleitete uns. Bei der Heimfahrt lud er uns alle in seinen Weinkeller zur Verkostung ein. Als die Burschen dann in die frische Luft kamen waren alle blau samt Fahrer. Damals gab es keine Kontrollen.

Eine ganz besondere Erinnerung ist die Einweihung des Domes zu Salzburg im Jahre 1959. Tausende Menschen säumten die Marschroute der Knappenmusik und applaudierten der Kapelle ohne Unterlass. So eine Begeisterung gibt es heute höchstens bei Skirennen - das war Einzigartig.

 

Wilfried Loipold - Filmaufnahmen in Böckstein

Am 22.April 1989 kam der ORF nach Böckstein um Filmaufnahmen für die Sendung "Klingendes Österreich" zu drehen. Es war ein kalter Samstag und es gab Schneeregen. Durch das schlechte Wetter entschied man sich sehr spät die Filmaufnahmen doch noch zu machen. Gruber Anderl - ein weitbekannter Musikant aus dem Anlauftal - hatte man nicht erreicht um ihm Bescheid zu geben. Als sich die Musiker vor dem Probelokal versammelten kam Anderl vorbei, der gerade auf dem Weg zum Kaufmann (GH Radhausberg) auf einen Frühschoppen war. Da er unbedingt mitspielen wollte nahm er sich eine Uniform vom Lager im Musikerheim und ging mit der Musikkapelle zum Schloß Czernin hinauf. Nach der Positionierung der Kameras ging es los. Kurz nach dem wegmarschieren rutschte die ausgeliehen Hose vom Anderl runter. Wilfried Loipold, der hinter ihm mit der großen Trommel ging, fasste mit seiner linken Hand die Hose vom Anderl und riss sie rauf, mit der rechten schlug er die Trommel weiter und so marschierten sie den Kirchhügel hinunter. Nach diesem Ausrutscher musste die Kapelle erneut vom Schloß starten. Da die Kamera in der Wegmitte aufgestellt war mussten die Musiker beidseitig an dieser vorbeimarschieren. Vor lauter Eifer übersah Georg Rathgeb die Kamera und lief auf diese auf. Und so marschierte die Musikkapelle 7 bis 8 mal den Hügel runter bis die Aufnahmen perfekt waren.

 

Erinnerungen von Kapellmeister Sepp Gruber

" Der Heimweg über´s Gebirge "

 

Dumpf hörte man das Einschlagen der Fußgestelle in die Verriegelungen beim Abbau der Festgarnituren, zu dem sich eine Schar beherzter Idealisten nach vier Tagen Rambazamba im Festzelt wieder eingefunden hatten. Rauris befand sich ja an diesen Tagen, man schrieb das Pfingstwochenende im Juni 2000, am Nabel der Welt; feierte doch die Trachtenmusikkapelle ihr 200tes Bestandsjubiläum verbunden mit einem Bezirksmusikfest, zudem sehr viele Blaskapellen aus nah und fern angereist kamen, um der jubilierenden Kapelle ihre Referenz zu erweisen. Kein Ton, die zuletzt spielende Tanzkapelle hatte ihr Equipment bereits abgebaut und in den bereitgestellten Anhänger verstaut, sondern das klirren der Gläser, verbunden mit teilweise heftigen Debatten an der Bar, ließen auf einen langen harten Tag bei viel Musik und ausgelassener Bierlaune schließen.

 

Josef, Kapellmeister einer bekannten Traditionskapelle aus dem Nachbartal, betrat nach kurzer Abwesenheit das mittlerweile fast leere Festzelt und begehrte an der Bar noch einige halbe Bier und mehrere doppelte Schnäpse, vermutlich hatte es am Telefon Streit gegeben. Zu dieser Zeit griff man ja noch in der Telefonzelle zum Hörer, Handys waren eher die Ausnahme und noch nicht wie in der Jetztzeit überall verbreitet. Die Finsternis war mittlerweile voll hereingebrochen, es herrschte Neumond und so begab sich Josef auf Schusters Rappen ab in Richtung Heimat. Wankend aber gemächlichen Schrittes führte der Weg vom Festzelt zum Marktplatz, vorbei an der ominösen Telefonzelle zur Kirche und ab in Richtung Gaisbachtal. Es dürfte wohl eine dreiviertel Stunde gedauert haben, als rechts neben der Straße ein Haus, aus dessen Fenster ein Licht sichtbar wurde und der ungewöhnliche Wanderer sich über den weiteren Weg nach oben hier erkundigen wollte. Josef läutete an der Türe, als ihm ein kleiner Junge von ca. fünf bis sechs Jahren öffnete. „Geht’s hier zur Seebachscharte?“ „Woas i nit“, „ist die Mama da?“ „na“, „ist der Papa da?“ „na“, „wo sind deine Eltern?“ „saufen!!“ Und zack wurde Josef vor der Nase die Haustüre zugeknallt. Josef, nur mit leichten Halbschuhen beschuht, einem weißen Hemd mit schwarzer Krawatte und einer schwarzen Hose mit Goldborten bekleidet, schritt nun schweren Schrittes fröstelnd den langen steilen Weg ohne Taschenlampe und sonstiger Lichtquelle langsam nach oben. Schritt um Schritt vor sich hin dösend und träumend, vergingen nun lange Stunden in der Finsternis, nur der Himmel wechselte die Farben von Pechschwarz, über lila bis tiefblau. Irgendwann merkte Josef, dass der Weg schon längere Zeit leicht abwärts führte und plötzlich vor einer steilen Felswand endete. Die Füße brannten wie Feuer und so musste sich der müde Wanderer wieder ein Stück auf den Rückweg begeben, ehe er die Abzweigung zu den Kramalmen antraf. Es müssen schon viele Stunden vergangen sein, ehe die Waldgrenze erreicht war und Josef auf der Hausbank der Kramsacher Hütte erschöpft nach einem harten Tag und durchwanderten Nacht eine kurze Rast einlegen konnte. 

 

Obwohl die Füße wie Feuer brannten, beißende Kälte bis in die Knochen und Erschöpfung sich breit machten, erfüllte Josef so etwas wie Genugtuung ein Etappenziel erreicht zu haben. Gemächlich ging es nun weiter zum Wasserschloss am Fuße des Kramkogels, doch dann stellten sich die ersten Hürden ein, da in diesem großräumigen Almgebiet kein Güterweg mehr entlang führte und die Weideflächen am Kramkar noch teilweise mit dem um diese Zeit bekannten Junischnee bedeckt waren. Mittlerweile Taghell geworden, der Kramkogel glänzte golden im Lichte der Sonne, so als wollte der heilige Geist die göttliche Botschaft in Lichtgestalt diesem unseligen Menschenkind persönlich überbringen, hatte Josef mit großen Problemen zu kämpfen, ja es ging bereits um Leben und Tod. Oberhalb vom Wasserschloss auf dem aperen Viehweg kein Problem, aber über einen hart gefrorenen schneebedeckten Steilhang unterhalb des Kramkars mit billigen Halbschuhen zu wandern, ist nicht nur purer Leichtsinn, sondern einem russischen Roulett gleichzusetzen. Nun, es gab kein zurück mehr. Unterhalb einer Staude gelang es Josef ein Stück Stein in Keilform herauszulösen und mit diesem Werkzeug Stufe um Stufe, also Tritt um Tritt in den gefrorenen Schnee zu schlagen. Der darunter liegende Schneegrieß füllte sofort die Halbschuhe, an denen die Nähte durch die daraus folgende Nässe sich langsam aufzulösen begannen. An den Innenseiten der Füße und den Fersen bildeten sich rosafarbige Blasen die tief stechende Schmerzen verursachten und nur durch den verbissenen Kampf ums Überlebens ein weitermarschieren ermöglichten. Endlich, das Ziel posierte sich zum Greifen nahe, man sah die Seebachscharte auf einer Höhe von 1995m über Meer in Augenhöhe, nur noch rund hundert Meter und der Übergang in das Gasteinertal war erreicht. 

 

So ein Trottel, was glaubt den der, der sollt bleiben wo der Pfeffer wachst, jetzt ist er schon Pfingsten nit dahoam bei der Familie, weil er muaß ja unbedingt „musispüln“; okay er ist dort Chef, aber dass er dann nit mitfoahrt und einfach oisa ongsoffener hintenbleibt, dös schlagt dem Fass den Boden aus, wettert Anna als sie denn Hörer auf die Gabel schleuderte. Anna, eine leidgeprüfte Musikantengattin versteht es hervorragend, sehr emotional besonders deftig und mit derben Worten ihrem Unmut freien Lauf zu lassen. Nach einer kurzen Nachdenkphase kam sie aber doch zum Entschluss, hier Möglicherweise etwas zuviel über das Ziel geschossen zu haben und begab sie sich zum Auto, um in Richtung Rauris abzufahren. Dort angekommen konnte man sich an Josefs Anwesenheit erinnern, ja die von ihm angesagten letzten Worte „Vater geht zu Fuß nach Hause“ hatte so mancher noch im Ohr. Unverrichteter Dinge fuhr der PKW  langsam zuerst über die Embacher Landesstrasse, dann noch einmal über Taxenbach über die Rauriserhöhe zurück zum Festzelt, doch vergebens, Josef war nicht aufzufinden. 

 

Die Sonne brannte mittlerweile kräftig vom Himmel und Josef umgeben vom Glücksgefühl trotz starker Schmerzen, versuchte den oberen Almboden der Walch Alm im Gasteinertal zu erreichen. Dabei passierte es wie es kommen musste. Durch die zerlumpten Schuhe, die glatten Sohlen hatten keinen Halt geboten, stürzte der leichtsinnige Wanderer einen leichten Abhang hinab und konnte sich zum Glück an einen aus dem Boden ragenden Lärchenstamm festhalten und so von einem sicheren Absturz in unwegsames Gelände bewahrt zu werden. Ähnlich wie beim Aufstieg mussten nun bis zum Einstieg des Zubringerweges wieder Tritte in den gefrorenen Schnee des Nord-Westhanges geschlagen werden, um einen weiteren Absturz zu vermeiden. Endlich konnte Josef schwer gezeichnet, die Hose war zerfetzt, die Schuhe zerschlissen den Weg zur Walch Hütte einigermaßen sicher bestreiten. Eine herbe Enttäuschung musste er aber bei der Walch Hütte erleben; um diese Zeit hatte der Besitzer dieser Alm immer Getränke im Brunntrog mit beiliegender Handkassa bereitgestellt, in diesem Jahr hatte eine Lawine dem Gebäude stark zugesetzt, sodass dieses Service dem erschöpften Wanderer noch nicht angeboten werden konnte, für Josef eine herbe Niederlage.

 

Nun am absoluten Tiefpunkt angelangt, der nächste Bauernhof befand sich in 10 km Entfernung, humpelte Josef wie ein Häufchen Elend den Güterweg entlang, wo er langsam aber sicher talwärts im Wald verschwand. „Wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt bestimmt ein Lichtlein her“, sollte sich nun positiv bewahrheiten, denn plötzlich tauchte wie eine Fata Morgana ein Jeep auf, der langsam talwärts fuhr. Ein Jäger der sein edles Weidwerk ausübte konnte sich seit Stunden über den seltsamen Übergang dieses besonderen Individuums wahrlich ergötzen und so richtete er die erste Frage an Josef, ob jemand gestorben sei und er Parte Zettel auf dieser Höhe auszutragen habe, denn es wäre äußerst seltsam, dass jemand in aller Herrgottsfrühe auf Zweitausendmeter Seehöhe nur mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte herumzulaufen versucht.

 

Im Tal angekommen ließ sich Josef am Bahnhof Bad Hofgastein absetzen, um in der Bahnhofsrestauration bei einem Glas Bier sich von den Strapazen etwas zu erholen. Zum Glück war die Kellnerin in diesem Restaurant eine ausgebildete Sanitäterin, welche die wunden Beine mit einem sterilen Verband versorgen und so vor einem größeren Schaden bewahren konnte. Die Heimfahrt mit dem Taxi gestaltete sich schwierig, Josef wurde unter tatkräftiger Mithilfe von starken Mannen in das Fahrzeug gesetzt, zu Hause das Heim aber nur mühsam auf allen vieren betreten konnte. Die Freude war besonders groß bei den Söhnen, die ihren Vater als wahren Helden verehrten, doch wurde von Seiten der Mutter kein freundvoller Empfang bereitet, zu tief saß der Schock, es hätte alles in einer Katastrophe enden können. Natürlich kam Josef um eine notärztliche Versorgung und eine Woche Krankenstand nicht herum, doch am 12. Juni im Jahr 2000, beim Geburtstagsfest der Raurisermusik über 2000m Seehöhe zu gehen wird so schnell keine Wiederholung mehr finden.

    

 

 

 

 

 

 

mit freundlicher Unterstützung von Grafikline.at & Michel-EDV.at